Morgenfrische #2: Interview mit Dr. Ansgar Bubenheim

Warum ist gesunder Schlaf wichtig? Die Antwort gibt der ärztliche Leiter des Reha-Zentrums Meuser in Limburg – in diesem Interview.

Warum ist gesunder Schlaf so wichtig?

Herr Dr. Bubenheim – wie beantworten Sie als Mediziner diese Frage?

Sämtliche Muskeln werden willentlich innerviert, wenn wir eine Bewegung planen, andere unterliegen dem vegetativen Nervensystem und arbeiten ständig (z.B. solche, die innere Organe versorgen). Was das muskuloskelettale System betrifft, so ist es von eminenter Bedeutung, dass dieses regelmäßig in den Ruhemodus schaltet, entspannt und sich gewissermaßen neu kalibrieren kann. Gelingt dies nicht (innere Anspannung, Stress, falsche Umgebung, falsche Matratze/Bett, falsche Angewohnheiten rund um die Schlafanbahnung), so bleibt diese Neukalibrierung aus und man startet gewissermaßen schon verspannt in den Tag. Passiert dies ständig oder gar immer, so kommt es dauerhaft zu muskulären Dysbalancen, die dann zu Schädigungen an Gelenken, Bändern und Sehnen führen.

Dauerhaft stellen sich chronische Schmerzen ein, die nicht selten lediglich symptomatisch behandelt werden, wo eigentlich eine Rebalancierung stattfinden muss. Diese etabliert sich allerdings in ganz wesentlichem Ausmaß durch sogenannte motorische Engramme, demnach gewissermaßen neu erlernte Bewegungsmuster, die sich in erster Linie während des Schlafes im Gehirn fest etablieren.

Hinzu tritt noch, dass man mittlerweile das glymphatische System entdeckt hat. „Glymphatisch“ ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus den Begriffen Glia (Nervengewebe) und Lymphe/lymphatisch und meint eine von der Gehirnsflüssigkeit (Liquor) ausgehende Substanz, die, einfach ausgedrückt, während des Schlafes Abfallstoffe und Zelltrümmer aus dem Gehirn beseitigt, und zwar ca. 6-7 g pro Nacht.

Diese Erkenntnis ist relativ neu und schaffte Klarheit über die bisher eigentlich noch nicht geklärte Frage, warum wir völlig ohne Schlaf sogar versterben. Dies sind zumindest die wichtigsten Aspekte der Notwendigkeit guten Schlafes. Sekundäre Effekte desselben sind dadurch leicht ableitbar: Fehlt uns diese überaus wichtiger Phase oder verläuft sie unzureichend, so sind wir auch tagsüber nicht leistungsfähig, erschöpfen uns auch nicht wirklich gesund und gehen deshalb geradezu zwangsläufig in die nächste ungesunde Nacht.
 

Warum gilt das insbesondere für Genesungsphasen?

Schon der normale Alltag mit durchschnittlichen bzw. bekannten Belastungen fordert dem hochkomplexen System des menschlichen Körpers so viel ab, dass er die nächtliche Regenerationsphase und deren gesunden Schlaf benötigt, um den Normalmodus zu bewältigen.

Wenn aber zusätzliche Anforderungen an den Körper gestellt werden, gewinnt diese regenerative Kraft noch ungleich viel mehr an Bedeutung. Der Mensch wird von zwei wesentlichen vegetativen Nervensystem versorgt: Es existieren das sympathische und das parasympathische. Es weckt uns das sympathische Nervensystem morgens auf und steigert die Aktivität, Aufmerksamkeit, Kraft und Koordination; das parasympathische wird gegen Abend aktiv, stößt den Schlaf an, steigert aufbauende Prozesse, treibt die Verdauung und alle regenerativen und damit auch heilenden Kräfte an.

Insbesondere, wenn wir uns von Operationen erholen, krank waren oder sind, liegt es somit auf der Hand, dass der ohnehin sehr wichtige gesunde Schlaf dann einmal mehr ins Gewicht fällt. Dies gilt ebenso für die Zeit nach einem Training (Muskelaufbau, Regeneration, positive Proteinbiosynthese) und auch wenn wir gelernt haben (gelernter Wissensstoff wird während des Schlafes im Gedächtnis verankert).
 

Umgekehrt gefragt: Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und Unwohlsein bzw. Krankheiten?

Selten kann man eine Frage so rundheraus und zweifelsfrei mit „Ja“  beantworten! Aus dem zuvor Gesagten lässt sich direkt ableiten, dass, wenn nicht nur die Schäden des Alltags, sondern auch Folgen einer Erkrankung oder Verletzung oder gar diejenigen einer durchgeführten Operation überwunden werden müssen, der Körper umso mehr erholsamen Schlaf benötigt.

Wir bemerken das auch durch früher eintretende Müdigkeit, wenn wir nicht schon allzu sehr unseren natürlichen Rhythmus verlassen haben. Da viele Krankheiten erst durch nicht ausreichenden oder schlechten Schlaf ausgelöst werden, vermögen manche Menschen auch nicht, diesen durch vermehrten Schlaf zu begegnen. Die Folge ist eine fatale Kaskade immer weiterer Verschlechterungen. Muskelverspannungen, Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat, auch Kopfschmerzen sind die Folge. Das Verdauungssystem reagiert ebenfalls negativ, es kommt mitunter zu sogenannten Stressulcera im Magen, durch diese Konstellation werden schlechte Ernährungsgewohnheiten beibehalten und, nicht zuletzt, die Energie für eine Änderung schlechter Gewohnheiten kann auch nicht aufgebracht werden.

Problematisch ist, dass der Schlaf oft gar nicht in den Fokus genommen wird. Man arbeitet zunächst medikamentös, und, das ist besonders bedauernswert, auch bezüglich der Nachtruhe: „Schlafmittel“ sind für viele immer noch vollkommen normal und längst Gewohnheit. Diese vermindern aber zuverlässig die erholsame Komponente des Schlafes, genauso wie es der Alkohol tut.

 
Was zeichnet Betten-Günther als Fachgeschäft aus?

In erster Linie ist dies die wissenschaftliche Herangehensweise an das Problem und das vorhandene fundierte Wissen über das Phänomen Schlaf. Gerade in der heutigen Zeit der immer häufiger auftretenden „Life-Coaches“, entsprechender Seminare, viral agierender „Bio-Hacker“ und Fitness-Gurus ist es wichtig, klar und konzentriert aufgestellt zu sein, sauber zu analysieren und wissenschaftlich erwiesene Erkenntnisse zur Basis der eigenen Handlungsleitlinie zu machen.

Sich nicht gemein zu machen mit Moden, seiner Linie treu zu bleiben und eigene Erfahrungen zu sammeln, die anschließend den Kunden zugänglich gemacht werden, das ist es, was zählt und hierauf kann man sich bei Dirk Günther und seinem Team verlassen.
 

Ihre Top-5-Tipps: Was hat sich für gesunden und guten Schlaf aus Ihrer Erfahrung bewährt?

Hier muss man zunächst einmal die evolutionsmedizinischen Aspekte berücksichtigen: Wir sind von unserer Grundausstattung her Jäger und Sammler, nicht sesshaft. Somit ist unser Körper ausgelegt für Bewegung den ganzen Tag, in unterschiedlicher Art und Weise. Somit kommt es abends zu einer ganz natürlichen körperlichen Erschöpfung, gefolgt vom entsprechend tiefen und gesunden Schlaf. 

Und die Grübler nehmen immer mehr zu. Man sollte nichts mehr an sich heranlassen, was genau dies zur Folge haben könnte und ohnehin am selben Abend nicht mehr geklärt werden kann.

  • Tipp 1: Körperlich aktiv sein, trainieren. Da reicht auch schon mal ½ Stunde Laufen abends oder eine andere Form des Trainings. Es muss nicht immer ein hartes Work-Out über 2 Stunden sein. Auch hier ist Regelmäßigkeit Trumpf!
     
  • Tipp 2: E-Mails und Geschäftliches 3 Stunden vorm Zubettgehen ruhen lassen. Kaufen Sie sich ein „Handy-Bett“, das in einem anderen Raum steht. Dort legen Sie es abends ab.
     
  • Tipp 3: Kein „Schlummertrunk“ mit Alkohol und keine schlafanstoßende Medikation. Beides greift in die Schlafzyklen ein, verkürzt die REM-Phasen und damit wird dem Schlaf  die erholsamste Komponente genommen.
     
  • Tipp 4: Klar! Ein gutes Bett und eine passende Matratze, passend für den jeweiligen Typus, eine sinnvolle Einrichtung des Schlafzimmers (Farben, Licht). Man muss sich wohlfühlen, daher das Schlafzimmer nicht zur halben Abstellkammer verkommen lassen, in der dann noch die letzte Umzugskiste oder das alte Bügelbrett steht. Kein Fernseher.
     
  • Tipp 5: Kein allzu schweres Essen vorher, eher leichte Snacks. Warme Getränke, die berühmte Milch mit Honig oder entsprechende Tees sind eine guter Abschluss für den Tag.
     

Zum Abschluss: Wie sehen eigentlich Ihre Schlafgewohnheiten aus?

Für mich ist die wichtigste Komponente die körperliche Ausbelastung. Nahezu jeden Abend erfolgt ein Training, danach leichtes Essen, etwas Arbeit am Schreibtisch und dann Lesen, das mich nach einer halben Stunde müde macht. Danach schlafe ich durch. Nicht immer realisierbar, aber sinnvoll ist die „gewohnte Zeit“. Bei mir ist dies zugegebenermaßen früh: ca. 22.00h. 

Ich stehe um 5.00h auf, obwohl ich erst um 8.00h das Haus verlasse. Diese Zeit ist für mich aber sehr effektiv: Stretching, Liste für den Tag, Frühstück, etwas lesen. So geht man vorbereitet in den Tag… und ist lange genug auf für gesunde Müdigkeit am Abend. Mir ist aber klar, dass das für viele nicht realisierbar ist.


Wir bedanken uns für das interessante Gespräch mit dem Experten!